Nationalspielerin Memeti will weiter mit den Haller Jungs kicken

Erëleta Memeti ist 16 Jahre jung – und spielt richtig gut Fußball. Mit einer Sondergenehmigung kickt sie mit den Jungs der B-Junioren der Haller Sportfreunde. Beim Nordic-Cup gab sie jüngst ihr Debüt im Nationaldress.

Erëleta, wie wurdest Du für den Nordic-Cup, einem Turnier für mehrere U16-Juniorinnen-Nationalmannschaften, nominiert?

ERËLETA MEMETI: Früher war ich immer in den Fördergruppen bei den Mädchen, dann stand ich im WFV-Kader. Für den Nordic-Cup wurde ich beim Länderpokal in Duisburg gesichtet und dann für den Vorbereitungslehrgang mit 30 Mädchen nominiert. Daraus wurde der 18-köpfige Kader nominiert.

Wurdet Ihr direkt beim Lehrgang über die Nominierung informiert?

Nein. Uns wurde gesagt, es gibt innerhalb einer Woche eine E-Mail.

Das muss eine spannende Zeit gewesen sein . . .

(lacht) Oh ja. Ich habe jeden Tag, jede Stunde in mein Postfach geschaut.

Wann hast Du es dann erfahren, dass Du mit dabei bist?

Die E-Mail kam, als ich noch in der Schule war. Aber eine Spielerin, die mit mir beim Lehrgang war, schrieb mich an: Wette gewonnen!

Und das bedeutete das?

Wir hatten gewettet, ob ich es schaffe oder nicht. Sie hatte Recht, ich war dabei. Ich habe mich riesig gefreut!

Von Frankfurt ging es nach Dänemark zum Nordic-Cup, einem jährlich stattfindenden Turnier für Frauen- und Mädchennationalmannschaften. Wie stark war Deine Nervosität?

Natürlich war ich viel aufgeregter als sonst. Im Kader stehen Spielerinnen von bekannten Bundesliga-Vereinen wie Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg. Ich dagegen spiele mit den Jungs in der Bezirksstaffel. Aber das war überhaupt kein Thema. Ich bekam nach den ersten Trainingseinheiten und dem Vorbereitungsspiel von allen zu hören „Du spielst richtig gut“. Das hat mir sehr geholfen.

Dann folgte das Auftaktspiel gegen Norwegen – mit Dir in der Startelf.

Daran hatte ich nicht gedacht. Ich hatte gehofft, in der zweiten Halbzeit eingewechselt zu werden. Dann lief ich mit dem Team ein, sang die Nationalhymne. Ich habe am ganzen Körper gezittert.

Im ersten Länderspiel hast Du beim 2:1-Sieg Dein erstes Tor geschossen. Viel besser geht es nicht.

Dabei waren die ersten fünf Minuten richtig schlecht! (lacht) Dann lief es immer besser. Das Tor war fantastisch, schließlich habe ich in der gesamten Saison bei den Sportfreunden nicht getroffen.

Hast Du mitbekommen, wie das Turnier in Hall verfolgt wurde?

Klar! Die Trainer hatten den Live-Ticker eingeschaltet, die Jungs haben mir nach den Spielen sofort geschrieben, natürlich auch wegen meines Tors. Das war wirklich toll!

Letztlich hast Du alle vier Spiele mitgemacht.

Als Mannschaft haben wir super zusammen gespielt. Wir haben alle drei Vorrundenbegegnungen gewonnen, auch die letzte, obwohl schon klar war, dass wir im Finale stehen. Dort haben wir gegen die Niederlande verloren, was sehr schade war. Aber das Positive überwiegt bei weitem: Ich bin gut aufgenommen worden...

... und hast nun Lust auf mehr?

(lacht) Natürlich!

Du spielst mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs mit. In Hall kennen und schätzen sie Dich. Wie behandeln Dich die Gegner?

Beim Abklatschen vor dem Spiel gibt es manchmal ein paar Blicke, nach dem Motto: Echt, da spielt ein Mädchen mit? Anfangs war das ein bisschen komisch, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Während des Spiels ist das kein Thema mehr. Ich werde genauso behandelt und angegangen wie meine Teamkollegen.

Wie kam es dazu, dass Du mit den Jungs zusammen spielst?

In Fichtenberg habe ich immer mit den Jungs zusammengespielt. Von denen kam auch der Anstoß, die Sondergenehmigung einzuholen. Ich wäre alleine nie auf die Idee gekommen. In der C-Jugend habe ich mit meinem großen Bruder in der Kreisstaffel zusammengespielt, ehe ich zu den Sportfreunden nach Hall gewechselt bin.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Ich möchte weiter mit den Jungs spielen, mindestens noch ein Jahr. Ich glaube, dass ich mich dort schneller verbessern kann. Dann wird man sehen. Ich habe ja nun Kontakte zu Trainern aus der Mädchen-Bundesliga.

Die Fragen stellte Hartmut Ruffer.